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Stromspeicher: die Rechnung, die vor dem Angebot steht

Ein Speicher spart nicht Strom, sondern die Differenz zwischen Bezugspreis und Einspeisevergütung. Daraus folgt alles Weitere, auch wann er warten kann.

Stand: August 20266 Minuten Lesedauer

Passende Leistung: Photovoltaik

Ein Batteriespeicher erzeugt keinen Strom. Er verschiebt ihn: aus der Mittagsspitze in den Abend, gelegentlich in die Nacht. Sein wirtschaftlicher Wert ist deshalb genau eine Größe: der Abstand zwischen dem, was eine bezogene Kilowattstunde kostet, und dem, was eine eingespeiste einbringt. Alles andere in einem Speicherangebot ist Ableitung aus dieser Differenz.

Das klingt trivial, hat aber eine unbequeme Folge: Der Speicher wird nicht mit dem Strompreis verglichen, sondern mit der Differenz. Und diese Differenz ist kleiner als der Strompreis. Der eingespeiste Strom bringt schließlich etwas ein, wenn auch wenig.

Die vier Größen der Rechnung

Wer ein Speicherangebot einordnen will, braucht vier Zahlen. Drei davon stehen im Angebot, die vierte in der eigenen Stromabrechnung.

  • Die Ersparnis je gespeicherter Kilowattstunde: Bezugspreis minus Einspeisevergütung. Sie ist der Ertrag jeder einzelnen Ladung.
  • Die nutzbare Kapazität, nicht die Nennkapazität. Ein Speicher gibt nie seinen vollen Inhalt ab; der Unterschied liegt oft im zweistelligen Prozentbereich und steht im Datenblatt, nicht im Prospekt.
  • Die Zahl der Vollzyklen im Jahr: Wie oft wird der Speicher tatsächlich gefüllt und geleert? Im Sommer fast täglich, im Winter kaum. Über das Jahr bleiben deutlich weniger Zyklen, als 365 vermuten lässt.
  • Der Wirkungsgrad des Umwegs: Laden, Speichern und Entladen kosten zusammen einen Teil der Energie, dazu kommt der Eigenverbrauch der Elektronik im Stand-by.

Aus nutzbarer Kapazität, Zyklenzahl und Wirkungsgrad ergibt sich die jährlich zusätzlich selbst genutzte Strommenge. Multipliziert mit der Ersparnis je Kilowattstunde ergibt sie den jährlichen Ertrag des Speichers. Diesem Ertrag stehen die Kosten gegenüber, und die Lebensdauer entscheidet, wie oft der Ertrag anfällt, bevor ersetzt werden muss.

Zwei Grenzen der Lebensdauer

Speicher altern doppelt: durch Zyklen und durch Zeit. Die Garantie nennt beides: eine Zyklenzahl und eine Jahresangabe, je nachdem, was zuerst eintritt. Wer über die kalendarische Grenze hinaus rechnet, rechnet mit einer Anlage, die es dann nicht mehr gibt. Und ein Speicher, der viele Jahre nur halb genutzt wird, erreicht seine Zyklen nie. Dort läuft die Uhr, nicht der Zähler.

Einordnung

Wann der Speicher trägt und wann er wartet

Dieselbe Anlage, dieselben Kosten, und je nach Haushalt ein völlig anderes Ergebnis. Ausschlaggebend ist, wann im Haus Strom gebraucht wird.

Spricht dafür

  • Ein erheblicher Teil des Verbrauchs fällt abends und nachts an: Wärmepumpe, Ladepunkt, Homeoffice mit Abendbetrieb.
  • Die Anlage speist bereits heute einen großen Teil ihrer Erzeugung ein, weil tagsüber niemand da ist.
  • Der Bezugspreis liegt deutlich über der Einspeisevergütung, und daran ist auf Sicht nichts zu ändern.
  • Der Aufstellort ist trocken, frostfrei und ganzjährig temperiert: Keller oder Hauswirtschaftsraum, nicht die ungedämmte Garage.
  • Die Anlage ist ohnehin im Bau: Speicher und Wechselrichter in einem Zug zu montieren, spart einen zweiten Anschluss und ein zweites Gerüst.

Kann warten

  • Der Verbrauch lässt sich noch verschieben: Spülmaschine, Waschmaschine und Warmwasser laufen bisher nicht mittags.
  • Eine Wärmepumpe oder ein Ladepunkt ist geplant, aber noch nicht vorhanden; beide verändern den Lastgang stärker als jeder Speicher.
  • Der Wechselrichter ist speicherfähig vorbereitet, sodass die Nachrüstung ohne Austausch möglich bleibt.
  • Der eigene Lastgang ist nicht bekannt. Ein Jahr Messwerte kostet nichts und ersetzt jede Schätzung.

Macht ihn teuer

  • Eine Kapazität, die deutlich über dem liegt, was an einem Abend tatsächlich abgerufen wird. Der Rest steht ungenutzt und altert trotzdem.
  • Ein Aufstellort mit Frost oder sommerlicher Hitze; beides verkürzt die Lebensdauer messbar.
  • Die Erwartung, damit das Haus im Winter zu versorgen: Die Jahreszeit mit dem höchsten Bedarf ist die mit der geringsten Erzeugung.
  • Die Anschaffung allein wegen der Notstromfunktion, ohne zu prüfen, welche Art von Notstrom das Gerät überhaupt kann.

Als Anhaltspunkt für die Größe hat sich rund eine Kilowattstunde nutzbare Kapazität je tausend Kilowattstunden Jahresverbrauch bewährt, und selten mehr als die Anlagenleistung in Kilowatt-Peak. Was darüber hinausgeht, verlängert die Amortisation, ohne den Eigenverbrauch nennenswert zu heben.

Notstrom ist nicht gleich Notstrom

Ein häufiger Grund für die Anschaffung ist der Wunsch, bei einem Netzausfall weiter Strom zu haben. Ob ein Speicher das leistet, hängt an einer Eigenschaft, die im Prospekt oft nur angedeutet wird, und die drei sehr verschiedene Ausbaustufen kennt.

  • Keine Ersatzversorgung: Bei Netzausfall schaltet die gesamte Anlage ab. Das ist der Regelfall und aus Gründen des Personenschutzes vorgeschrieben, solange keine Umschaltung vorhanden ist.
  • Notstromsteckdose: Eine einzelne Steckdose am Gerät wird versorgt, meist mit begrenzter Leistung und nach manueller Umschaltung. Für Kühlschrank und Router genügt das.
  • Ersatzstrombetrieb: Das Haus wird nach automatischer Netztrennung weiterversorgt, in der Regel dreiphasig. Das verlangt eine Umschalteinrichtung im Zählerschrank und ist eine planerische wie preisliche Entscheidung, keine Funktion, die man nachträglich freischaltet.

Wer die Ersatzversorgung möchte, entscheidet das vor der Auswahl des Geräts. Nachrüsten heißt in aller Regel: Wechselrichter tauschen und den Zählerschrank umbauen.

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