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Ertrag einer Photovoltaikanlage: welche Zahl zählt

Jahresertrag, Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad klingen ähnlich und beschreiben Verschiedenes. Wer sie verwechselt, plant an seinem Verbrauch vorbei.

Stand: August 20267 Minuten Lesedauer

Passende Leistung: Photovoltaik

Eine Photovoltaikanlage in Westfalen liefert über das Jahr grob so viele Kilowattstunden, wie ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht, bezogen auf eine übliche Dachbelegung. Daraus wird schnell der Schluss: Die Anlage deckt den Bedarf. Das stimmt in der Jahressumme und stimmt an keinem einzigen Tag.

Der Grund ist die Gleichzeitigkeit. Strom vom Dach entsteht mittags im Sommer; gebraucht wird er morgens, abends und im Winter. Ohne weitere Maßnahmen fließt der größere Teil der Erzeugung ins Netz und wird zu einem Bruchteil dessen vergütet, was der Bezug am Abend kostet. Die Wirtschaftlichkeit einer Anlage entscheidet sich deshalb nicht am Ertrag, sondern daran, wie viel davon im Haus bleibt.

Kennzahlen

Drei Zahlen, die regelmäßig verwechselt werden

In Angeboten stehen alle drei, und keine ersetzt eine andere. Wer nur eine davon vergleicht, vergleicht Anlagen, die sich in etwas ganz anderem unterscheiden.

Jahresertrag

was die Anlage erzeugt

Bezugsgröße
die installierte Leistung, in Kilowattstunden je Kilowatt-Peak
Steigt durch
Ausrichtung, Neigung, wenig Verschattung, kühle Module
Sinkt durch
Verschattung, Verschmutzung, ungünstige Neigung
Typische Größenordnung
in dieser Region etwa 950 bis 1.050 kWh je kWp und Jahr
Sagt nichts über
den wirtschaftlichen Nutzen: erzeugter Strom ist noch kein gesparter Strom
Nützlich für
den Vergleich zweier Dachflächen am selben Haus

Eigenverbrauchsquote

welcher Anteil der Erzeugung im Haus bleibt

Bezugsgröße
die erzeugte Strommenge
Steigt durch
Verbrauch zur Erzeugungszeit, Speicher, Wärmepumpe, Ladepunkt
Sinkt durch
eine größere Anlage bei gleichbleibendem Verbrauch
Typische Größenordnung
ohne Speicher rund ein Viertel bis ein Drittel
Sagt nichts über
die absolute Ersparnis: eine kleine Anlage hat leicht eine hohe Quote
Nützlich für
die Frage, ob Speicher oder Lastverschiebung lohnen

Autarkiegrad

welcher Anteil des Verbrauchs vom Dach kommt

Bezugsgröße
die verbrauchte Strommenge
Steigt durch
größere Anlage, Speicher, verschobenen Verbrauch
Sinkt durch
zusätzlichen Verbrauch, der nachts anfällt
Typische Größenordnung
ohne Speicher rund ein Drittel
Sagt nichts über
die Kosten: ein hoher Wert kann teuer erkauft sein
Nützlich für
die Frage, wie unabhängig der Haushalt vom Netz wird

Die Größenordnungen sind Erfahrungswerte für Einfamilienhäuser in dieser Region und keine Zusage für ein bestimmtes Dach. Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad bewegen sich zudem gegenläufig: Eine größere Anlage hebt den einen Wert und senkt den anderen.

Was das Dach beiträgt

Die Südausrichtung liefert den höchsten Jahresertrag, aber sie liefert ihn in einer schmalen Mittagsspitze. Eine Ost-West-Belegung erzeugt über das Jahr weniger, verteilt die Erzeugung jedoch über den Tag: morgens auf der Ostseite, abends auf der Westseite. Für einen Haushalt, der morgens und abends verbraucht, ist das häufig die bessere Anlage, obwohl die Ertragszahl schlechter aussieht.

Verschattung wiegt schwerer als Ausrichtung. Ein Schornstein, ein Nachbargiebel oder ein Baum trifft nicht nur die verschatteten Module, sondern über den Strang hinweg auch die unverschatteten, sofern die Anlage nicht darauf ausgelegt ist. Leistungsoptimierer oder Modulwechselrichter begrenzen den Schaden; die günstigere Lösung bleibt, die betroffene Fläche freizulassen.

  • Neigung zwischen etwa 30 und 40 Grad ist das Optimum; flachere und steilere Dächer verlieren wenige Prozent, nicht die Hälfte.
  • Ost-West-Belegung nutzt zwei Flächen und liefert das breitere Tagesprofil.
  • Verschattung wird über den Tages- und Jahresverlauf geprüft. Der Baum im Süden wirft im Dezember einen anderen Schatten als im Juni.
  • Die Statik entscheidet über die Belegung mit, ebenso der Zustand der Eindeckung: Eine Anlage bleibt zwanzig Jahre oben, ein Dach mit fünf Restjahren wird vorher saniert.

Die Anlage wird nicht auf den Verbrauch dimensioniert

Der alte Rat, die Anlage möglichst genau auf den eigenen Bedarf auszulegen, stammt aus einer Zeit mit anderen Modulpreisen. Heute kostet die zusätzliche Fläche wenig, während Gerüst, Anschluss und Montage ohnehin anfallen. Belegt wird deshalb, was das Dach sinnvoll hergibt. Die Frage nach dem Eigenverbrauch wird über Verbraucher und Speicher gelöst, nicht über eine kleinere Anlage.

Den Eigenverbrauch heben, ohne zu verzichten

Jede Kilowattstunde, die im Haus bleibt, ist etwa drei- bis viermal so viel wert wie eine eingespeiste. Der Abstand zwischen Bezugspreis und Einspeisevergütung ist die eigentliche Rendite der Anlage. Der Hebel liegt deshalb nicht auf dem Dach, sondern im Tagesablauf.

  • Große Verbraucher in die Mittagszeit legen: Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner laufen mit Zeitvorwahl, ohne dass jemand etwas anders macht.
  • Warmwasser über die Wärmepumpe oder einen Heizstab am Mittag bereiten statt am Morgen. Der Speicher ist der einfachste und billigste Zwischenspeicher im Haus.
  • Die Wärmepumpe bei Überschuss vorrangig laufen lassen und die Gebäudemasse als Puffer nutzen.
  • Das Fahrzeug tagsüber laden, wo der Alltag es zulässt; Überschussladen verschiebt den Ladevorgang automatisch in die Erzeugungsspitze.
  • Erst danach den Batteriespeicher betrachten. Er ist der teuerste dieser Wege, nicht der erste.

Aus diesen Maßnahmen entsteht die Reihenfolge, in der eine Anlage geplant wird: zuerst die Frage, wann im Haus Strom gebraucht wird, dann die Belegung des Dachs, dann die Verschiebung der großen Verbraucher, und erst zum Schluss der Speicher. Wer umgekehrt beginnt, kauft Kapazität, die der Tagesablauf gar nicht benötigt.

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Steht die Anlage, geht es um den Speicher, und um den Strom, mit dem geheizt und geladen wird.

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