Stromspeicher: die Rechnung, die vor dem Angebot steht
Ein Speicher spart nicht Strom, sondern die Differenz zwischen Bezugspreis und Einspeisevergütung. Daraus folgt alles Weitere, auch wann er warten kann.
Jahresertrag, Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad klingen ähnlich und beschreiben Verschiedenes. Wer sie verwechselt, plant an seinem Verbrauch vorbei.
Passende Leistung: Photovoltaik
Eine Photovoltaikanlage in Westfalen liefert über das Jahr grob so viele Kilowattstunden, wie ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht, bezogen auf eine übliche Dachbelegung. Daraus wird schnell der Schluss: Die Anlage deckt den Bedarf. Das stimmt in der Jahressumme und stimmt an keinem einzigen Tag.
Der Grund ist die Gleichzeitigkeit. Strom vom Dach entsteht mittags im Sommer; gebraucht wird er morgens, abends und im Winter. Ohne weitere Maßnahmen fließt der größere Teil der Erzeugung ins Netz und wird zu einem Bruchteil dessen vergütet, was der Bezug am Abend kostet. Die Wirtschaftlichkeit einer Anlage entscheidet sich deshalb nicht am Ertrag, sondern daran, wie viel davon im Haus bleibt.
In Angeboten stehen alle drei, und keine ersetzt eine andere. Wer nur eine davon vergleicht, vergleicht Anlagen, die sich in etwas ganz anderem unterscheiden.
| Jahresertragwas die Anlage erzeugt | Eigenverbrauchsquotewelcher Anteil der Erzeugung im Haus bleibt | Autarkiegradwelcher Anteil des Verbrauchs vom Dach kommt | |
|---|---|---|---|
| Bezugsgröße | die installierte Leistung, in Kilowattstunden je Kilowatt-Peak | die erzeugte Strommenge | die verbrauchte Strommenge |
| Steigt durch | Ausrichtung, Neigung, wenig Verschattung, kühle Module | Verbrauch zur Erzeugungszeit, Speicher, Wärmepumpe, Ladepunkt | größere Anlage, Speicher, verschobenen Verbrauch |
| Sinkt durch | Verschattung, Verschmutzung, ungünstige Neigung | eine größere Anlage bei gleichbleibendem Verbrauch | zusätzlichen Verbrauch, der nachts anfällt |
| Typische Größenordnung | in dieser Region etwa 950 bis 1.050 kWh je kWp und Jahr | ohne Speicher rund ein Viertel bis ein Drittel | ohne Speicher rund ein Drittel |
| Sagt nichts über | den wirtschaftlichen Nutzen: erzeugter Strom ist noch kein gesparter Strom | die absolute Ersparnis: eine kleine Anlage hat leicht eine hohe Quote | die Kosten: ein hoher Wert kann teuer erkauft sein |
| Nützlich für | den Vergleich zweier Dachflächen am selben Haus | die Frage, ob Speicher oder Lastverschiebung lohnen | die Frage, wie unabhängig der Haushalt vom Netz wird |
was die Anlage erzeugt
welcher Anteil der Erzeugung im Haus bleibt
welcher Anteil des Verbrauchs vom Dach kommt
Die Größenordnungen sind Erfahrungswerte für Einfamilienhäuser in dieser Region und keine Zusage für ein bestimmtes Dach. Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad bewegen sich zudem gegenläufig: Eine größere Anlage hebt den einen Wert und senkt den anderen.
Die Südausrichtung liefert den höchsten Jahresertrag, aber sie liefert ihn in einer schmalen Mittagsspitze. Eine Ost-West-Belegung erzeugt über das Jahr weniger, verteilt die Erzeugung jedoch über den Tag: morgens auf der Ostseite, abends auf der Westseite. Für einen Haushalt, der morgens und abends verbraucht, ist das häufig die bessere Anlage, obwohl die Ertragszahl schlechter aussieht.
Verschattung wiegt schwerer als Ausrichtung. Ein Schornstein, ein Nachbargiebel oder ein Baum trifft nicht nur die verschatteten Module, sondern über den Strang hinweg auch die unverschatteten, sofern die Anlage nicht darauf ausgelegt ist. Leistungsoptimierer oder Modulwechselrichter begrenzen den Schaden; die günstigere Lösung bleibt, die betroffene Fläche freizulassen.
Die Anlage wird nicht auf den Verbrauch dimensioniert
Der alte Rat, die Anlage möglichst genau auf den eigenen Bedarf auszulegen, stammt aus einer Zeit mit anderen Modulpreisen. Heute kostet die zusätzliche Fläche wenig, während Gerüst, Anschluss und Montage ohnehin anfallen. Belegt wird deshalb, was das Dach sinnvoll hergibt. Die Frage nach dem Eigenverbrauch wird über Verbraucher und Speicher gelöst, nicht über eine kleinere Anlage.
Jede Kilowattstunde, die im Haus bleibt, ist etwa drei- bis viermal so viel wert wie eine eingespeiste. Der Abstand zwischen Bezugspreis und Einspeisevergütung ist die eigentliche Rendite der Anlage. Der Hebel liegt deshalb nicht auf dem Dach, sondern im Tagesablauf.
Aus diesen Maßnahmen entsteht die Reihenfolge, in der eine Anlage geplant wird: zuerst die Frage, wann im Haus Strom gebraucht wird, dann die Belegung des Dachs, dann die Verschiebung der großen Verbraucher, und erst zum Schluss der Speicher. Wer umgekehrt beginnt, kauft Kapazität, die der Tagesablauf gar nicht benötigt.
Steht die Anlage, geht es um den Speicher, und um den Strom, mit dem geheizt und geladen wird.
Ein Speicher spart nicht Strom, sondern die Differenz zwischen Bezugspreis und Einspeisevergütung. Daraus folgt alles Weitere, auch wann er warten kann.
Die Ladeleistung begrenzt fast immer das Fahrzeug, nicht die Wandstation. Es zählen Fahralltag, Onboard-Lader und der Zustand des Zählerschranks.
Wärme wird bezuschusst, Strom vom Dach nicht, dafür anders begünstigt. Wer die beiden Wege verwechselt oder zu früh unterschreibt, verliert den Anspruch.
Aus Ausrichtung, Verschattung und dem tatsächlichen Lastgang entsteht die Auslegung, nicht aus einer Faustformel je Quadratmeter.