Zurück zum Ratgeber
Ratgeber

Smart Home verkabelt oder per Funk: entschieden je Gewerk

Die Entscheidung fällt Gewerk für Gewerk, nicht zwischen zwei Lagern: Manches verlangt eine Leitung, vieles kommt ohne aus, einiges scheitert am Rückfall.

Stand: August 20267 Minuten Lesedauer

Passende Leistung: Smart Home

„Kabel oder Funk“ wird gern als Glaubensfrage geführt und ist in der Praxis keine. Kaum ein Haus wird rein verkabelt ausgestattet, und kaum eines rein per Funk. Die belastbare Frage lautet: Welche Funktion soll dauerhaft und unbeaufsichtigt laufen, und was passiert, wenn ihre Verbindung ausfällt?

Aus dieser Frage folgt die Aufteilung fast von selbst. Alles, was zur Gebäudetechnik gehört und im Fehlerfall Schaden anrichtet oder Komfort grundsätzlich verhindert, bekommt eine Leitung. Alles, was zusätzlich ist und dessen Ausfall lediglich ärgert, darf per Funk laufen.

Die Rückfallebene

Der wichtigste Prüfstein einer Installation ist der Zustand, in dem die Steuerung nicht arbeitet. Geht dann das Licht noch an? Öffnet sich der Rollladen? Wird der Raum warm? Ein System, in dem die Antwort auf all das „nein“ lautet, ist keine Automatisierung, sondern eine Abhängigkeit.

Nach Gewerk

Was eine Leitung braucht und was nicht

Sortiert nicht nach Technologie, sondern nach der Aufgabe. Die Zuordnung ändert sich mit dem Bauzustand kaum: Was im Neubau selbstverständlich verkabelt wird, bleibt im Bestand die kritische Stelle.

Gehört an eine Leitung

  • Beschattung und Rollläden: Sie fahren zeit- und wetterabhängig, oft während der Abwesenheit. Ein verlorenes Funktelegramm bedeutet hier einen offenen Behang im Sturm.
  • Heizkreisverteiler und Stellantriebe: Dauerbetrieb über die gesamte Heizperiode, versteckt im Verteilerkasten, kein Ort für einen Batteriewechsel.
  • Zutritt, Türkommunikation, Türöffner: sicherheitsrelevant und auf jederzeitige Verfügbarkeit angewiesen.
  • Präsenz- und Bewegungsmelder in Fluren und Treppenhäusern: Sie schalten hundertfach am Tag und leben an einer Leitung dauerhaft.
  • Die Grundbeleuchtung der Haupträume: Sie muss auch dann funktionieren, wenn die Steuerung ausgetauscht oder überarbeitet wird.

Läuft zuverlässig per Funk

  • Einzelne Fenster- und Türkontakte an Stellen, die beim Bau nicht bedacht wurden.
  • Zusätzliche Temperatur-, Luftgüte- oder Feuchtesensoren in einzelnen Räumen.
  • Schaltbare Steckdosen für Stehleuchten, Unterhaltungstechnik oder saisonale Verbraucher.
  • Zusätzliche Taster und Szenenschalter dort, wo nachträglich ein Bedienpunkt gewünscht ist.
  • Wassermelder in Bad, Hauswirtschaftsraum und unter der Spüle. Sie melden selten und leben lange.

Grenzfälle, die einzeln zu entscheiden sind

  • Einzelraumregelung per Funk-Thermostat: funktioniert, verlagert aber die Regelung in Geräte mit Batterie und eigener Logik.
  • Rauchwarnmelder mit Funkvernetzung: die Meldung selbst muss ohne Steuerung funktionieren, die Weiterleitung darf per Funk laufen.
  • Kameras und alles, was Bilddaten überträgt: Hier entscheidet weniger das Medium als die Frage, wohin die Daten gehen.
  • Außenbereich und Nebengebäude: Reichweite und Witterung machen Funk dort unzuverlässiger, als es der Katalog nahelegt.

Die Mischung ist der Regelfall, nicht der Kompromiss: Eine verkabelte Grundinstallation für die Gebäudetechnik, ergänzt um Funkkomponenten an den Stellen, die beim Bau niemand vorhergesehen hat.

Was Funk im Betrieb kostet

Der Preisunterschied zwischen einem Funkmodul und einer verlegten Leitung fällt beim Kauf zugunsten des Funkmoduls aus. Über die Nutzungsdauer verschiebt sich das Bild, und zwar durch drei Posten, die im Angebot nicht auftauchen.

  • Batterien: Zwanzig bis dreißig Funkkomponenten bedeuten mehrere Wechsel im Jahr, verteilt über das Haus. Was fehlt, meldet sich nicht, es hört einfach auf.
  • Lebensdauer: Funkkomponenten werden nach einigen Jahren abgekündigt; ein Ersatz ist dann ein anderes Gerät mit anderer Einbindung. Eine Leitung altert nicht.
  • Funklast: Jedes zusätzliche Gerät belegt dasselbe Band wie WLAN, Nachbarnetze und Haushaltsgeräte. In massiver Bauweise mit Stahlbetondecken sinkt die Reichweite deutlich, und die Abhilfe heißt Repeater, also weitere Geräte.

Dem steht ein realer Vorteil gegenüber: Im bewohnten Bestand ist Funk oft die einzige Möglichkeit, ohne Stemmarbeiten und Staub nachzurüsten. Diese Rechnung geht auf. Sie sollte nur mit den Folgekosten geführt werden und nicht mit dem Kaufpreis allein.

Der günstigste Zeitpunkt für Leitungen

Jede ohnehin geöffnete Wand ist die günstigste Gelegenheit, eine Leitung mitzuführen. Wer bei einer Sanierung Leerrohre und eine Busleitung zu den zentralen Punkten legt, entscheidet sich noch nicht für ein System, er hält sich nur die Möglichkeit offen, die später niemand mehr schafft.

Wovon die Anlage abhängt

Neben der Frage nach dem Medium steht eine zweite, die häufiger zu Ärger führt: Wovon hängt die Anlage ab, damit sie morgen noch funktioniert? Drei Abhängigkeiten sind zu unterscheiden.

  • Die Verbindung nach außen: Eine Anlage, deren Grundfunktionen einen Serverdienst im Internet brauchen, steht still, wenn die Leitung ausfällt oder der Anbieter den Dienst einstellt. Fernzugriff und Sprachassistent dürfen von außen abhängen, Licht, Heizung und Beschattung nicht.
  • Der Hersteller: Ein geschlossenes System bindet an ein Sortiment und an eine Preisliste. Ein offenes lässt sich um Komponenten Dritter ergänzen, verlangt dafür aber jemanden, der die Verbindungen pflegt.
  • Die Person, die programmiert hat: Wer außer dem ausführenden Betrieb kann die Logik lesen und ändern? Dokumentation, Zugangsdaten und die Frage, ob die Konfiguration exportierbar ist, gehören in den Auftrag, nicht in die Zeit nach dem Umzug oder Verkauf.

Der letzte Punkt ist der, der beim Eigentümerwechsel zählt. Eine Anlage ohne Dokumentation und ohne Zugang ist für die nächste Bewohnerschaft kein Gewinn, sondern eine Blackbox, die irgendwann herausgerissen wird.

Vorab geklärt

Fragen zur Nachrüstung

Weiterlesen

Was die Steuerung zusammenhält

Eine gemeinsame Logik lohnt vor allem dort, wo mehrere Anlagen um denselben Strom konkurrieren.

Alle Beiträge

Gewerk für Gewerk statt Grundsatzentscheidung

Der Ortstermin klärt, wo eine Leitung noch möglich ist und wo Funk die bessere Antwort bleibt, und was bei der nächsten Baustelle mitläuft.

Termin anfragen